11.02.2013 17:52 Von: QDR-Team

Vorrang der Verbrennung vor Verwertung in der Praxis

Die MVA Fehrbach bei Pirmasens will noch dieses Jahr mit dem Bau einer Klärschlammtrocknungsanlage beginnen. Die Anlage soll noch im selben Jahr in Betrieb gehen. Jährlich sollen dann 56.000 Tonnen Klärschlamm mit der Abwärme der MVA getrocknet werden, so dass anschließend 16.000 Tonnen getrocknetes Material in der MVA verbrannt werden können.


Die MVA Fehrbach bei Pirmasens will noch dieses Jahr mit dem Bau einer Klärschlammtrocknungsanlage beginnen. Die Anlage soll noch im selben Jahr in Betrieb gehen. Jährlich sollen dann 56.000 Tonnen Klärschlamm mit der Abwärme der MVA getrocknet werden, so dass anschließend 16.000 Tonnen getrocknetes Material in der MVA verbrannt werden können.

Es könne nicht sein, dass bei der Wasserreinigung ein Riesenaufwand betrieben werde und anschließend der belastete Klärschlamm auf schutzlose Äcker ausgebracht werde, so der SD Südwest-Geschäftsführer Peter Damian gegenüber der Rheinpfalz am 02.02.2013.

Diese Äußerung ist nicht nur unwahr, sie ist auch polemisierend.

Zur Richtigstellung:

Es wird nicht das Wasser, sondern das Abwasser gereinigt. Die Kläranlagen der Westpfalz reinigen das Abwasser nicht aufwendiger als die Kläranlagen im restlichen Deutschland. Es wird auch kein zusätzlicher Aufwand betrieben, um etwaige Schadstoffe aus dem Abwasser zu filtern, die sich im Klärschlamm anreichern könnten. Kläranlagen werden errichtet, um die Nährstoffe Stickstoff und Phosphor sowie die organischen Bestandteile aus dem Abwasser zu filtern. Diese Nährstoffe sind „Schadstoffe“ für Gewässer aber eben wertvolle Nährstoffe für die Böden. Genau deshalb werden Klärschlämme ja als Düngemittel verwendet. Sofern sich sonstige Schadstoffe, wie z.B. Schwermetalle im Abwasser befinden, werden diese nur zum Teil aufgrund ihrer Polarität an Klärschlammflocken gebunden. Der größte Teil verlässt die Kläranlagen mit dem Ablauf und gelangt in die Flüsse. Klärschlämme werden auf so ziemlich alle relevanten Umweltchemikalien regelmäßig untersucht. In Deutschland gelten mit die schärfsten Grenzwerte weltweit. Teilweise liegen die Gehalte z.B. bei einzelnen Schwermetallen in Klärschlämmen niedriger als in den „schutzlosen Äckern“.

Wenn in diesem Zusammenhang überhaupt von „schutzlos“ gesprochen werden kann, liegt es allerdings näher, dieses Adjektiv auf die Bevölkerung in der Umgebung der MVA zu beziehen. Eine solche Anlage stößt jedes Jahr etwa 600 kg gefährlichen Feinstaub aus, der vor allem die unmittelbare Umgebung belastet. Die Stäube aus der Müllverbrennung sind die giftigsten bekannten Feinstäube. Sie enthalten in hohen Konzentrationen toxische Schwermetalle und sogenannte Ultragifte wie Dioxine, Furane und PCB sowie anderen Chlororganika (z.B. HCB). Zudem produziert die Anlage jedes Jahr rund 200.000 Tonnen CO2. Nicht nur die Böden sind diesen Emissionen „schutzlos“ ausgeliefert, sondern auch die Bevölkerung.

Ein weiterer Aspekt kann ebenfalls eher unter der Rubrik „schutzlos“ zusammengefasst werden:

Betrachtet man die Kosten der Verbrennung, so sind es die Gebührenzahler, die gewissermaßen schutzlos sind. Die Verbrennung von Klärschlamm in einer MVA ist die mit Abstand teuerste Form der Entsorgung (ca. zehn Mal teurer als die Verwertung in der Landwirtschaft). Die geplante Verbrennung von Klärschlamm dient vor allem den Betreibern der Verbrennungsanlage zur finanziellen Aufbesserung eines interessanten Finanzierungsmodells:

Die MVA wurde auf Grundstücken des Zweckverbandes Abfallverwertung Südwestpfalz (ZAS) von der MHKW Pirmasens Abfallbehandlungs GmbH & Co KG gebaut. Die Betriebsführung wird von der E.ON Energy from Waste Saarbrücken GmbH durchgeführt. Die Finanzierungsgesellschaft „Hannover Leasing“ hat den Müllofen finanziert und bedient über den Grundpreis die Renditen der Investoren, die den Bau der MVA (Gesamtinvestitionskosten 188 Mio. €) als Steuersparmodell vor Jahren bezahlt haben. Inzwischen verkauft die ZAS die Grundstücke (mit Verlust) an die Stadt Pirmasens.

Die Anlage ist für die Verbrennung von rund 172.000 t Restmüll ausgelegt. In 2011 wurden 173.000 t Restmüll verbrannt und ab 2013 sollen zusätzlich die Klärschlämme der gesamten Westpfalz mit verbrannt werden, aber wohl kaum aus Gründen des Umweltschutzes oder zur Senkung von Abwassergebühren. Seit dem Bau der Anlage, kennt der Preis für die Verbrennung von Müll nur eine Richtung: nach oben.

Dieser Fall zeigt einmal mehr, dass entgegen einem anders lautenden Kreislaufwirtschaftsgesetz eine teurere und umweltbelastende Beseitigung von Abfall Vorrang hat vor einer umweltverträglichen und kostengünstigen Verwertung.


QDR

Qualitätsgemeinschaft für nachhaltige Düngung und Ressourcenschutz e.V.

Robert-Bosch-Str. 9
56743 Mendig

Telefon:
0 26 52 - 52 790 10

E-Mail: info@qdr-ev.de

Share